Quellenkorpus Nürnberger Geschichte
Friedrich-Alexander-Universität
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Quellenkorpus Nürnberger Geschichte

 

Zahlreiche Stationen der deutschen Geschichte sind mit Nürnberg verbunden. Als ehemalige Reichsstadt war Nürnberg aufs engste mit den römisch-deutschen Königen und Kaisern sowie der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation allgemein verbunden. Zahlreiche Hof-, Fürsten- und Reichstage fanden innerhalb der Nürnberger Stadtmauern statt, das erste deutsche Verfassungsdokument, die Goldene Bulle, wurde 1356 dort erlassen und seit 1423 die Reichskleinodien im städtischen Heilig-Geist-Spital verwahrt. Als Handelsstadt pflegte man Kontakte nach ganz Europa, die nicht zuletzt zu einer kulturellen Blüte um den Künstler Albrecht Dürer und den Humanisten Willibald Pirckheimer beitrugen. Die strikt vom Patriziat beherrschte Stadt musste in der Frühen Neuzeit einen schleichenden Niedergang hinnehmen, besonders während des Dreißigjährigen Krieges. Im Zeitalter der Industrialisierung erlebte Nürnberg einen erneuten Aufschwung, wurde zu einem führenden Ort der Arbeiterbewegung, bevor sie im Zeitalter des Nationalsozialismus zur Stadt der Reichparteitage propagandistisch aufgebaut wurde.

Trotz der bedeutungsvollen Geschichte sind viele Quellen zur Historie der Stadt bisher noch unbekannt, geschweige denn publiziert und erforscht. Grund hierfür ist nicht zuletzt eine äußert umfassende Überlieferung, wie sie vergleichbar nur in Lübeck und grundsätzlich in Köln zu finden ist. Einen Überblick über die Vielzahl der Quellen ist aufgrund von deren Quantität mit klassischen Methoden nicht zu erbringen. Die unten genannten Institutionen möchten daher in einem innovativen Zusammenschluss gemeinsam diese Lücken schließen und ein Portal entstehen lassen, in dem kontinuierlich Dokumente zur Nürnberger Geschichte zusammengetragen und miteinander vernetzt werden können. Der Schwerpunkt soll dabei zunächst auf dem 15. Jahrhundert liegen. Hierfür stehen die Nürnberger Briefbücher im Fokus.

 

Nürnberger Briefbuch Nr. 1, fol. 9v (Staatsarchiv Nürnberg, Rst. Nürnberg, Rep. 61a: Ratskanzlei, Briefbücher des Inneren Rates, Nr. 1).

Die Nürnberger Briefbücher im 15. Jahrhundert

Die Nürnberger Briefbücher stellen eine serielle Quelle dar, welche in 359 Bänden den Zeitraum von 1404 bis 1738 umfassen. Sie enthalten Kopien der ausgehenden Briefe des Nürnberger Kleinen Rates, wodurch der Informationsaustausch innerhalb des Heiligen Römischen Reiches nachvollzogen werden kann. Aufgrund ihres Umfanges und der in ganz Europa ansässigen Adressaten bietet sich die Quelle außerdem für sprachwissenschaftliche Fragestellungen an. In einem Pilotprojekt, welches von der Friedrich Freiherr von Haller'sche Forschungsstiftung gefördert wurde, ist bereits das erste Briefbuch 1404-1408 bearbeitet worden und wird demnächst publiziert. Mit einem neuartigen Verfahren im Bereich der automatischen Handschriftenerkennung wird zudem eine Edition der nächsten vier bzw. sieben Bände der Nürnberger Briefbücher anvisiert.

Beteiligte Institutionen